BILDWISSENSCHAFT KUNSTGESCHICHTE

IKONOGRAPHIE

VORTRAG: TRAFO
Abraham Cruzvillegas
las vegas
Transparencias fernando cordero

MEXIKO-STADT

D E N K B I L D

E C O A S T H E T I C S

Ökologie und Ästhetik, dieses Begriffspaar wurzelt in der Konzepttradition Alexander von Humboldts, der die naturwissenschaftliche Erforschung mit ästhetischen Erfahrungen in Bezug setzte. Heute ist die komplexe Erkenntnis von Landschaften und Städten Thema ästhetischer Forschungen. Die sinnliche Erkenntnis –Ästhetik– ermöglicht es, Umweltzusammenhänge –Ökologie– auf unerwartete Weise zu deuten. Das Bild von Landschaft und Stadt ist ein Katalysator für die Selbsterkenntnis des Menschen, der das „Raumschiff Erde“ (Richard Buckminster Fuller) bewohnt und zunehmend zerstört.

 

Einblicke in die deep time der Geologie, ihre vielfältigsten Visualisierungen, provozieren produktive Bewusstseins-Clashes: Die visuelle Konstruktion des Habitats im Anthropozän, in Zeiten der Hyperurbanisierung, der Ausbeutung natürlicher Ressourcen und vor allem fossiler Brennstoffe, ist nur ein kurzer Zeitabschnitt planetarischer Geschichte. Die visuellen und materiellen Zeugen der Zivilisation kontrastieren immer wieder mit den Naturgewalten. So entstehen Kontrastbilder, deren Verständnis Aufgabe einer „geistesgegenwärtigen“ Bildwissenschaft ist.

 

Ein Fokus bildwissenschaftlichen Arbeitens ist die Politische Ikonografie. Sie untersucht, wie sich die menschliche Gestaltung und Unterwerfung der Umwelt, dieses archaische Politikum (vor der Schrift), in eigenaktiven Bildern manifestiert, welche Bildschemata sich herausbilden, wie sie verbreitet, wahrgenommen werden und was für politische Funktionen sie erfüllen.

Das Nachdenken über die Politische Ikonografie der Landschaft in der Gegenwart eröffnet einen „Denkraum“ (Aby Warburg), in dem kritisches Wissen erzeugt wird.

peterkrieger-ecoaesthetics.com zeigt Beispiele dieser Forschung. Jeden Monat erscheint ein Denkbild, das den Prozess spielerischer Selbstzerstörung, in dem wir befangen sind, illustriert. Texte und Links liefern Verständnishilfen, vermitteln Anregungen zum Weiterdenken.

Der Mensch, der im Anthropozän erscheint und der seine Landschaften ausbeutet und vermüllt, ist selbst zu einer geologischen Kraft geworden (Bruno Latour) – und dies ist zugleich ein ephemeres, bildstarkes Spektakel auf der urbanisierten Erdkruste.

peterkrieger-ecoaesthetics.com bietet unerwartete Einblicke in die transdisziplinären Forschungen zum Bild der Mega-Stadt-Landschaft, zur Politischen Ikonografie (mit ihrem Instrument, den Global Research Index of Political Iconography , zur Geo-Ästhetik, auch zur Aktualität des Barock in der Gegenwart, wie er sich etwa in der nichtnachhaltigen, paradigmatisch neobarocken Wüstenstadt Las Vegas manifestiert.